Mainstream Jazz
35 - 05704333
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album_20096220

Smile

Merkliste
Zusammenfassung

„As Time Goes By“, „Singin’ in the Rain“, „The Windmills of Your Mind” –

das sind Musiksehnsüchte – im Kino – und das bedeutet noch immer: Hollywood. Charlie Chaplin, Gene Kelly, Humphrey Bogart und Ingrid Bergman, Meryl Streep und Robert Red-ford, Barbra Streisand. Auch Disneys Pinocchio oder die Flintstones.

Rolf Kühn, der begnadete Klarinettist, ist ein Kinoliebhaber. Was liegt da näher als mit „Smile“, seinem fünften Intuition-Album, eine Big-Band-Aufnahme der Lieblingsfilmmelo-dien einzuspielen? Mit Max Raabe, der ein eindringliches Intro („When You Wish Upon A Star“ aus „Pinocchio“) beisteuert, mit den mirakulösen Cologne Voices, die manch-mal als Background Vokalisen voller Flair, manchmal nuanciert Lyrics anstimmen und dabei nicht selten an die legendären Singers Unlimited erinnern, sowie der wunderbar ausbalan-cierten, zwischen samtenen Bläsern oder sich dazwischen werfenden Akkordkaskaden sich klanglich bewegenden RIAS Big Band. Und damit einmal mehr uns durch ihren Verlust dank Abwicklung wehmütig stimmen. Eine hochkarätige Zusammenstellung also.

Ein solches Unterfangen steht und fällt mit den Arrangements. Allein acht hat der Dirigent Jörg Achim Keller beigesteuert. „Er schreibt solche Arrangements wie einen Brief. Wenn du ihn heute anrufst, hast du es morgen Nachmittag“, sagt Rolf Kühn bewundernd und verweist damit auf die Professionalität dieses allzu häufig unterschätzten musikalischen (Kunst!-)Handwerks. Doch auch die Subtilität und das Überraschungsmoment charakterisie-ren Kellers Bearbeitungen (wie auch die beiden Streisand-Arrangements von Ralf Schmid). Sie bewahren das Album davor nur nostalgisch, nur gefällig zu sein. So werden die bekannten Melodien harmonisch wie klangfarblich neu aus- und beleuchtet.

Selbst bei „Out of Africa“, Sidney Pollacks erfolgreichem Melodram nach Tania Blixen aus den Achtziger Jahren, dessen musikalisches Herzstück das Adagio aus dem Klarinettenkon-zert von Mozart (immerhin!) ist, wird dieses nicht nur geschickt uminstrumentiert, sondern quasi improvisatorisch erweitert, ohne dabei zu einer billigen Klassik goes Jazz-Nummer zu verkommen.

„The Windmills of Your Mind“, aus Michel Legrands oscarprämiertem Score zu der Geschichte um den coolen Bankräuber Thomas Crown mit Steve McQueen und Faye Du-naway, wiederum gerät zu einem rhythmisch raffinierten Suspense-Thriller en miniature.

Oder „Smile“, das Titelstück aus „Modern Times“ von Charlie Chaplin (aber entgegen der Legende nicht von ihm komponiert, sondern von Geoffrey Persons) wird in sparsamer Begleitung zu einer nächtlich-zwinkernden Ballade für Klarinette und Chor und scheint dabei „ein Lächeln zu verströmen, wie der geniale Komödiant“, schreibt Siegfried Schmidt-Joos in seinen einfühlsamen und kenntnisreichen Liner Notes.

Kurz: Der Glamour, den es zweifellos gibt (und bei Hollywood-Melodien auch geben muss), wird durch die Bearbeitungen und die feinsinnige Ausführung hintergründiger.

„Smile“ glitzert – um ein Modewort zu bemühen – nachhaltig und lädt so zum Wiederhören ein. Denn es bleibt voller Überraschungen.